Als waffenlose Selbstverteidigung gegen Angriffe kannten die Samurai, auf welche Jiu Jitsu zurück geht, keine Meisterschaften. Es gab auch im DJJB eine lange Diskussion, ob Wettkämpfe stattfinden sollten, aus verschiedenen Aspekten (hierzu auch diese Quelle). Bei den Deutschen Meisterschaften treten die Teilnehmer daher in fünf Disziplinen an, die verschiedene Aspekte dieses Selbstverteidigungssystems darstellen: Nicht, nur um sich zu messen, sondern um weiter an Technik und Vervollkommnung zu feilen.
Random Attack
Bei dieser Wettkampfart wird nur der Verteidiger bewertet. Er tritt gegen einen Angreifer an, der zufällig bestimmte Angriffe durchführt. Diese wird nach Gürtelgrad gewählt. Je nach Alter sind bis zu sechs Abwehrtechniken gefordert.
Auf der Matte stehen immer zwei Verteidiger, die mit dem gleichen Angriff konfrontiert werden. Sie dürfen sich nicht gegenseitig beobachten und stehen mit dem Rücken zueinander.
Bei Angriffen, bei denen der Körper angefasst werden muss (bspw. Würgen) oder solchen in Bodenlage zeigt der Angreifer dies zunächst an, damit der Verteidiger zulässt, diese Angriffsart zunächst vorzubereiten – beispielsweise, in dem er den Verteidiger wirft. Dann erfolgt der Angriff und die Verteidigung. Drei Punktrichter heben nach jedem Angriff eine rote oder eine weiße Fahne zur Wertung.
Bewertet werden: Realität, Reaktion, Dynamik, Exaktheit, Kontrolle und Vielfältigkeit der Techniken. Nach jeweils zwei Techniken für beide Wettkämpfer erfolgt eine Wertung durch die Punktrichter mittels Fahnen (weiß oder rot). Wer die meisten Wertungsfähnchen auf sich vereinigt, gewinnt.
Team
Der Team-Wettkampf bedeutet großes Kino: Mannschaften von drei bis zwölf verkleideten Personen treten gegeneinander an. Jede Mannschaft führt eine eingeübte Choreografie vor, die Elemente aus dem Jiu Jitsu beinhalten muss. Inhalt und Ablauf sind freigestellt, zumeist musikalisch untermalt.
Nach fünf Minuten bewerten die Punktrichter technisches Niveau, Haltung, Harmonie, Synchronität und Zusammenspiel, Choreografie und den Schwierigkeitsgrad der ausgewählten Elemente.
Pairs
Im Paarwettkampf treten Paare gegeneinander an. Bewertet werden die Kämpfer eines Paares gemeinsam. Es spielt keine Rolle, wer angreift oder verteidigt. Ein Paar führt beliebige Jiu-Jitsu-Techniken vor, wobei der Ablauf der gezeigten Angriffe und deren Verteidigung frei gestaltet werden kann.
Hier geht es um den technischen Vergleich: Bewertet werden Realität (funktioniert die Abwehr außerhalb des Dojos), Sauberkeit und Dynamik der Ausführung, Kontrolle (des Gegners), Harmonie des Paares, Vielfältigkeit und Ablauf der gezeigten Angriffe und Abwehren. Es handelt sich nicht um ein Showprogramm, sodass akrobatische Elemente wie Salto oder Flick-Flack nicht dazugehören.
Die Wettkampfzeit beträgt in der Kategorie Kinder minimal 1:00 und maximal 1:30 Minuten, bei allen übrigen Kategorien minimal 1:30 und maximal 2:00 Minuten. Je nach Alter und Gürtelgrad sind auch Waffenangriffe (Kurzstock, Messer) Pflicht.
Kata
Gezeigt und bewertet werden die verschiedenen Jiu-Jitsu-Kata des DJJB. Kata bedeutet übersetzt „Form, Zeremonie“ – gemeint ist die perfekte Vorführung festgelegter, aneinandergereihter Einzeltechniken gegen einen realen Angreifer. Ein Partner ist der Angreifer (Uke), der andere der Verteidiger (Tori). Bewertet werden Uke und Tori als Paar gemeinsam.
Es gibt zwei verschiedene Kategorien: „Kata ohne Waffen“ (DJJB-Kata 1 bis 3) und „Kata mit Waffen“ (DJJB-Kata 4 bis 6). Welche Kata gezeigt wird, richtet sich nach dem Dangrad von Tori – von der 1. Kata (Braungurt) bis zur 6. Kata (5. Dan, Pistolenabwehren).
Bodenkampf
Beim Bodenkampf treten zwei Einzelkämpfer gegeneinander an, die nach Alterskategorien, Gewicht und Geschlecht eingeteilt werden. Ziel ist es, den Gegner zur Aufgabe oder unter Kontrolle zu bringen.
Der Sieger ist der Wettkämpfer, dessen Gegner aufgrund eines Würgegriffs oder einer Hebeltechnik aufgibt. Alternativ können über verschiedene Techniken, die den Gegner unter Kontrolle bringen, auch Wettkampfpunkte gesammelt werden.
Die Regeln variieren nach Alterskategorie: Bei Kindern (10–13 Jahre) sind nur Haltegriffe erlaubt; Hebel- und Würgetechniken sind verboten. Ab der Jugend (14–17 Jahre) sind auch Hebel- und Würgetechniken erlaubt. Die Wettkampfzeit beträgt bei Kindern zwei Minuten, bei allen anderen Kategorien vier Minuten.

